302 Farben, eine Kugel: der ganze Farrow-&-Ball-Katalog zum Drehen

Der Maler Philipp Otto Runge hat 1810 die erste Farbenkugel der Geschichte gezeichnet. Wir haben alle 302 Farrow-&-Ball-Töne unseres Katalogs hineingelegt — zum Drehen, Zoomen und Vergleichen. Und mit einer Erkenntnis über die Marke, die man erst räumlich sieht.

Eine Kugel, die Ordnung in 302 Farben bringt

1810 erschien in Hamburg ein schmales Büchlein mit einem großen Anspruch: „Die Farben-Kugel" des Malers Philipp Otto Runge — entstanden im Briefwechsel mit Goethe — war der erste Versuch, sämtliche Farben in einem dreidimensionalen Körper zu ordnen. Die Idee ist so einfach wie schön: Am Nordpol sitzt Weiß, am Südpol Schwarz, dazwischen läuft die Grau-Achse. Um den Äquator wandern die reinen, kräftigen Farbtöne einmal im Kreis. Und je näher eine Farbe an der Achse liegt, desto stiller ist sie.

Genau in diese Kugel haben wir unseren kompletten Farrow-&-Ball-Katalog gelegt: alle 302 Töne, die aktuellen wie die archivierten. Jeder Punkt ist eine echte Farbe — fahren Sie ihn an, und Sie sehen Name, Nummer und Kollektion; ein Klick zeigt seine Gegenspieler.

Punkt anfahren für den Farbnamen — Klick wählt aus und zeigt die Gegenspieler.
Interaktiv: alle 302 Farrow-&-Ball-Töne unseres Katalogs in Runges Farbenkugel — Farbenkugel nach Runge (1810): Nordpol Weiß, Südpol Schwarz, Äquator reine Farbtöne, zur Achse hin entsättigt. Ziehen dreht und kippt die Kugel; am Telefon öffnet ein Tipp auf die Kugel das Vollbild — dort drehen Sie mit einem Finger und zoomen mit zwei. Zoomen: Strg + Mausrad, zwei Finger oder −/+ — vier Stufen wie bei einer Landkarte (Globus, Region, Straße, Landung). Klick auf einen Punkt zeigt seine Gegenspieler samt Farb-Kompass (heller, dunkler, leiser, satter, wärmer, kühler); das Suchfeld fliegt jeden Ton direkt an. Klick auf Äquator, Längen-/Breitengrade oder die Weiß-Schwarz-Achse zeigt deren Farbverlauf; Klick auf die freie Kugelfläche schließt am Globus ein Segment und zeigt ab der Region den Ort. Rauten sind Produkt-Orte (derzeit Beispieldaten). Alle Farben mit Details: Farben-Übersicht.
Was diese Kugel zeigt — und was nicht

Diese Kugel ist ein Denkmodell, keine maßstabsgetreue Abbildung eines echten Farbraums. Die Idee stammt vom Maler Philipp Otto Runge (1810): Farbton als Längengrad, Helligkeit als Höhe, Sättigung als Abstand von der Grau-Achse. Wir rechnen dafür mit denselben HSL-Werten wie im Artikel — das ist ein einfaches Rechenmodell, die menschliche Farbwahrnehmung ist in Wirklichkeit unregelmäßiger geformt.

Die farbige Oberfläche und die Verläufe zeigen idealisierte, voll gesättigte Töne — Farben, die es so als Wandfarbe gar nicht gibt. Die Punkte dagegen sind die echten Katalogfarben; ihre Werte stammen als Näherung aus der Bildschirmdarstellung des Herstellers. Auch Ihr Bildschirm zeigt alle Töne nur näherungsweise an.

Gegenspieler: Liegt die Weiß-Schwarz-Achse genau zwischen zwei Punkten gleicher Höhe, sind das rechnerische Licht-Komplementäre — als Licht gemischt ergäben sie neutrales Grau. Der Punkt genau gegenüber durch die Kugelmitte ist der vollständige Gegenpol (hell wird dunkel, warm wird kühl) — so hat es Runge gemeint. Das ist das Rechen-Komplement; die Maler-Komplementäre nach Itten (Rot–Grün, Blau–Orange) liegen etwas anders.

Zoomwelten und Produkt-Orte: Die Kugel zoomt in vier Stufen wie eine Landkarte — je näher Sie kommen, desto mehr Ortsschilder erscheinen; alle Farbpunkte bleiben dabei sichtbar. Tippen Sie am Telefon auf eine dichte Stelle, zeigt eine kleine Liste die Farben dort zur Auswahl — und am Globus springt der Tipp erst eine Stufe näher heran. Die Rauten sind Produkt-Orte: Eine Tapete oder ein Stoff wohnt an den Orten seiner dominanten Töne, verbunden als Sternbild. Die gezeigten Produkte sind derzeit Beispieldaten zum Ausprobieren der Mechanik — echte Produktdaten folgen mit der Daten-Pipeline. Der Farb-Kompass verspricht Richtungen, keine Farbmetrik: „wärmer" und „kühler" sind bewusst grobe Alltagsbegriffe.

Was die Punktwolke über Farrow & Ball verrät

Das Erste, was auffällt: Der Äquator ist fast leer. Die knalligen, voll gesättigten Töne, die dort wohnen würden, gibt es bei Farrow & Ball kaum — die berühmten Ausreißer wie Dutch Orange oder St Giles Blue kann man an einer Hand abzählen. Stattdessen drängt sich die Wolke dicht an die Grau-Achse und auf die Nordhalbkugel: hell und gedeckt. Das ist kein Zufall, sondern das Markenprofil — Farrow & Ball lebt in den gemäßigten Breiten der Farbwelt. Schalten Sie den Hintergrund auf Grau, dann setzen sich auch die Weißtöne am Nordpol sauber ab.

Zweitens: Die Kugel macht Komplementärfarben sichtbar. Liegen zwei Punkte auf gleicher Höhe genau gegenüber — mit der Weiß-Schwarz-Achse dazwischen —, sind sie rechnerische Licht-Komplementäre: als Licht gemischt ergäben sie neutrales Grau. Und der Punkt schräg gegenüber durch die Kugelmitte ist der vollständige Gegenpol, hell wird dunkel, warm wird kühl — genau so hat Runge seine „harmonischen Gegensätze" gemeint. Klicken Sie eine Farbe an: Die Kugel zeichnet beide Sehnen ein und schlägt Ihnen die nächstliegenden echten Katalogtöne am Gegenpol vor. Dass die Maler-Komplementäre nach Itten etwas anders liegen, erklärt die Box „Was diese Kugel zeigt — und was nicht" direkt unter der Grafik.

Und drittens: Die Kollektionen. Die Buchstaben in den Farbnummern sind nämlich Kollektions-Codes — CB ist „Carte Blanche" mit dem Modedesigner Christopher John Rogers (2023), CC die „California Collection" von Kelly Wearstler (2021), W steht für „Colour by Nature" mit dem Natural History Museum (2019), und hinter den G-Nummern verbergen sich die alten Gartenfarben des National Trust — Pond Green hieß früher Chartwell Green, nach Churchills Gartenstühlen. Über die Kollektions-Filter blenden Sie jede Gruppe einzeln ein und aus. Das Kernsortiment folgt übrigens einer eisernen Regel: Es sind immer 132 Farben. Für jeden neuen Ton wandert einer ins Archiv — auch diese Rotationen sehen Sie in der Wolke.

Kleine Bedienhilfe: Ziehen dreht und kippt die Kugel, Strg + Mausrad (oder zwei Finger) zoomt genau dorthin, wo Ihr Zeiger steht. Ein Klick auf den Äquator, die Breitenkreise oder die Achse legt deren Farbverlauf frei, ein Klick auf die freie Fläche schließt die Kugeloberfläche Segment für Segment — mit den beiden Reglern blenden Sie Gitter und Oberfläche stufenlos ein und aus.

Wenn Sie einen der 302 Töne in echt sehen möchten: Im Showroom in der Reichsstraße bemustern wir Farrow & Ball im Original — und beraten Sie, welcher Gegenspieler zu Ihrem Raum passt. Alle Töne mit Detailseiten finden Sie in der Farben-Übersicht.